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08.05.2020

Versorgungssicherheit: „… nicht lieferbar!“

Was die Apotheker in den Apotheken vor Ort für ihre Kunden und Patienten zu leisten imstande sind, haben sie in den vergangenen Wochen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Sie sind – vor allem in Krisensituationen – für die Gesundheitsversorgung der Menschen und die Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems unverzichtbar. Nicht umsonst werden sie zu den versorgungskritischen Berufen gezählt.

Wir Apotheker waren auch zu Beginn der Corona-Krise für unsere Kunden und Patienten da, während der Online-Handel w.o. gab, Lieferverzögerungen die Regel waren und man über Wochen nur von „Ausfällen in der Distributionskette“, „Nachschub- und Bestückungsschwierigkeiten“ für die (eigentlich nicht vorhandenen) Lager bla, bla, bla hörte. Jedenfalls waren immer die Umstände schuld. Wollte man dann jemanden erreichen, war meist „Sendepause“ oder man strandete in einer unendlichen Telefonschleife.

Wir Apotheker standen in der Offizin, betreuten unsere Patienten und riskierten unsere eigene Gesundheit, als noch die große Unsicherheit herrschte und niemand so genau wusste, was es mit diesem neuen Virus eigentlich auf sich hat, wie gefährlich es wirklich ist und was damit auf uns zu kommt. Die Repräsentanten der großen Shopapotheken hingegen gingen hinter ihren Schreibtischen in Deckung.
Der Onlinehandel hat also genau zu einer Zeit „die Patschen gestreckt“ als die zuverlässige, flächendeckende Versorgung der Menschen in unserem Land von besonderer Wichtigkeit war.
Es hieß einfach auf der ganzen Linie: … nicht lieferbar!“

Umso unverschämter ist, dass die Versandhändler jetzt einen erneuten Versuch gestartet haben, den Arzneimittel-Versandhandel wieder einmal als „Alternative“ zur Apotheke zu positionieren und die Freigabe rezeptpflichtiger Arzneimittel zu fordern.

Die – v.a. internationalen - Versandapotheken vermelden derzeit – zeitverzögert - eine massive Umsatzsteigerung und versuchen die vermeintliche „Gunst der Stunde zu nutzen“.
Sie verkennen dabei, dass in Krisenzeiten Marketingstrategien, die nur dem eigenen Unternehmen nützen, keinen Platz haben. Jetzt geht es nicht um billig einzufahrende Gewinne, sondern um die Aufrechterhaltung der Grundversorgung der Bevölkerung.
Oder kann der Versandhandel akut benötigte Arzneimittel sofort zur Verfügung stellen, nicht lieferbare Medikamente doch noch organisieren, falsch oder ungenau ausgefüllte Rezepte rasch doch noch in gültige umwandeln, ausstehende Bewilligungen einholen, Desinfektionsmittel u.v.m. selbst herstellen oder den Menschen gar Sicherheit, einen kompetenten Ansprechpartner, ein nettes Wort und Zuversicht geben?
Bei all dem würde es nur heißen: „… nicht lieferbar!“

Es geht also um nichts weniger als um die Versorgungssicherheit der Menschen. Und hier kommt noch ein wichtiger Aspekt hinzu:
Es ist hinlänglich bekannt, dass Krisen wie diese verstärkt Kriminelle „anlocken“, die die Verunsicherung und die Ängste der Menschen sowie die in diesen Zeiten vulnerable logistische wie auch – aufgrund der sich oft rasch ändernden Gesetzgebung - legistische Situation für ihre Zwecke ausnutzen wollen. Damit ist auch die Gefahr für die Patienten, online gefälschte Arzneimittel verkauft zu bekommen, ungleich größer. Denn hier fällt das dichte Sicherheitsnetz der Apotheke vor Ort weg, wo unterschiedlichste Qualitäts- und Herkunftskontrollen sowie die Eigenverantwortung des expedierenden Apothekers größtmögliche Sicherheit gewährleisten. Zudem werden ausschließlich über inländische Apotheken bezogene Arzneimittel im Rahmen der e-Medikation gespeichert und auf Wechselwirkungen überprüft, mit einer entsprechenden Beratung der Patienten. Das Resultat ist eine Versorgungs- und Therapiesicherheit, die Versandapotheken niemals leisten können, vom sozialen Aspekt ganz zu schweigen. Dennoch wird wider besseren Wissens behauptet, dass die Versandapotheken „auch die pharmazeutische Beratung gewährleisten“ könnten.

Hier wird gegen jede Vernunft „pseudoargumentiert“ und versucht, aus der Verunsicherung der Menschen Profit zu schlagen. Zudem ist es Rosinenpickerei der übelsten Art, gefährdet mit den Apothekenbetrieben auch hochqualifizierte Arbeitsplätze und damit letztendlich die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, - besonders in Krisenzeiten wie dieser.

Denn nur wir Apotheker vor Ort sind auch in Not- und Krisenzeiten für unsere Kunden und Patienten da!

Ihr Raimund Podroschko

Präsident des VAAÖ

Verband Angestellter Apotheker Österreichs

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Die Kampagne von Apothekerkammer und dem BM f. Gesundheit gegen Arzneimittelfälschungen.
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