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05.07.2019

23. Sommerakademie in Pörtschach: Psychosomatik

VAAÖ-Präsident Mag. pharm. Raimund Podroschko eröffnete die Tagung und präsentierte mit Vizepräsidentin Mag. pharm. Susanne Ergott-Badawi die neuen Beratungstools.


VAAÖ-Direktor Mag. Norbert Valecka und sein Team freuten sich am VAAÖ-Stand über das rege Interesse der Tagungsteilnehmer.

23. Sommerakademie in Pörtschach: Psychosomatik

Nur mit dem „G´spür“ des Apothekers!

Das Thema der 23. Sommerakademie für Apotheker in Pörtschach „Psychosomatik“ scheint auf den ersten Blick kein zentrales Thema an der Tara zu sein. Welche große Bedeutung den ApothekerInnen aber in dieser Hinsicht wirklich zukommt, belegten die profunden Vorträge, die vom genauen Gegenteil überzeugten.

„Der ´Placeboeffekt´ des Apothekers ist bei Weitem noch nicht ausreichend erforscht. Erste Studienergebnisse zeigen aber, dass die Betreuung durch den Apotheker neben der Steigerung der Adherence einen ähnlich positiven Einfluss auf die Behandlung und vor allem das psychische Befinden des Patienten hat wie das Arztgespräch.“ erläuterte Mag. pharm. Raimund Podroschko, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer und VAAÖ-Präsident, am Rande der 23. Sommerakademie in Pörtschach, die vom 14. bis 16. Juni über die Bühne ging.

„Denn dieser ´Placeboeffekt´ des Apothekers – am besten in Verbindung mit unseren neuen Tools Sicherheits-Check und Medikationsanalyse - ist ein weiterer Beleg für die Unverzichtbarkeit von uns ApothekerInnen.“ VAAÖ-Präsident Mag. pharm. Raimund Podroschko

Präs. Podroschko weiter: „So haben Neurowissenschaftler z.B. an Parkinsonpatienten gezeigt, dass der Placeboeffekt in der Beratungspraxis der Apotheke einen signifikanten Unterschied machen kann. Das „G´spür“ des Apothekers ist also gefragt. Wir können mit unserer Tätigkeit den Therapieerfolg maßgeblich steigern, womit wir wiederum zu einer Optimierung der jeweiligen Therapie, auch in wirtschaftlicher Hinsicht, beitragen. Seien wir uns dessen bei unserer Arbeit an der Tara bewusst, und bringen wir diese Tatsache auch den Entscheidungs- und Kostenträgern nahe. Denn dieser ´Placeboeffekt´ des Apothekers – am besten in Verbindung mit unseren neuen Tools Sicherheits-Check und Medikationsanalyse - ist ein weiterer Beleg für die Unverzichtbarkeit von uns ApothekerInnen. Das müssen und werden wir in Zukunft auch verstärkt kommunizieren! … auch in Hinblick auf die bevorstehenden Honorarverhandlungen.“

Psychosomatik ist also durchaus ein zentrales Thema für die österreichischen Apotheker. Und so hat sich auch Tagungspräsident Mag. pharm. Hans Bachitsch mit dem ausgewiesenen Kämpfer gegen eine Körper-Seele-Spaltung in der Medizin, Univ. Prof. DDr. Christian Schubert, einen hochqualifizierten Mitstreiter gefunden. Gemeinsam stellten sie ein ebenso spannendes wie hochkarätiges Team an Vortragenden zusammen, das weit über das Theoretische hinaus tiefe Einblicke in psychosomatische Störungen lieferte und den ApothekerInnen diesbezüglich Tipps und das nötige Rüstzeug für die Tarapraxis mit auf den Weg gab, damit diese ihre PatientInnen auch in dieser Hinsicht optimal betreuen können, allem voran das Bewusstsein, hier einen wirklichen Unterschied machen zu können.

News aus dem Apothekerhaus

Doch bevor es soweit war, freute sich „Hausherr“ Mag. pharm. Paul Hauser, Präsident der Landesgeschäftsstelle Kärnten der Österreichischen Apothekerkammer, zahlreiche Kollegen in einem mehr als gut gefüllten Kongresszentrum in Pörtschach willkommen zu heißen. Dabei verwies er darauf, dass die Apotheke mit dem niederschwelligen Zugang und dem hohen Vertrauen, das sie in der Bevölkerung genießt, eine klare Verbesserung für das Gesundheitssystem darstellt. Eine Verbesserung, die aber nicht gratis sein kann.

Dieses Thema griff Mag. pharm. Raimund Podroschko auch in seiner Eröffnungsrede auf, als er in seiner Begrüßung auf den Sicherheits-Check und die Medikationsanalyse verwies, Tools, mit denen ausschließlich ApothekerInnen aufgrund ihrer Expertise arbeiten können und das für PatientInnen, Krankenkassen und Apotheken gleichermaßen einen nicht zu unterschätzenden Benefit bedeutet. Ein Benefit, der auch als Grundlage für die Anpassung des Refundierungssystems dienen soll, so Präs. Podroschko. Voraussetzung dafür ist eine einheitliche, standardisierte und evaluierbare Beratungsqualität, die mit den neuen Kursen der Apothekerkammer gewährleistet wird, sowie das entsprechende Webtool. Die angestrebte Anpassung des Honorierungssystems sollte dann in weiterer Folge auch die Schaffung von mehr Arbeitsplätzen für ApothekerInnen nach sich ziehen. Desweiteren ging Podroschko kurz auf die Apothekengesetzesnovelle ein, der lange, intensive Vorarbeiten vorausgegangen sind. Es erforderte viel an Lobbyingarbeit bei allen Parteien und Entscheidungsträgern, bis der Entwurf endlich im Ministerium lag, sodass er Ende des Jahres „durch“ sein sollte. Der Rest ist Geschichte. Der VAAÖ-Präsident dazu: „Wir bleiben jedenfalls d´ran.“

Die angestrebte Anpassung des Honorierungssystems sollte dann in weiterer Folge auch die Schaffung von mehr Arbeitsplätzen für ApothekerInnen nach sich ziehen.

Mag. pharm. Susanne Ergott-Badawi, Obmannstellvertreterin der Österreichischen Apothekerkammer und VAAÖ-Vizepräsidentin, präsentierte anschließend die Hard Facts rund um diese neuen „Werkzeuge“ der ApothekerInnen.

Podroschko ließ es sich zudem nicht nehmen, den scheidenden Kammeramtsdirektor Dr. Hans Steindl zu verabschieden und sich für die jahrelange gute Zusammenarbeit und dessen Verdienste um die ApothekerInnen zu bedanken. (Eine Vorstellung des neuen Kammeramtsdirektors Mag. Rainer Prinz erfolgt demnächst auf Ihrer VAAÖ-Homepage.)

Samstagabend gab Mag. Teresa Ditfurth LL.M., Österreichische Apothekerkammer, aus gegebenem Anlass noch einen vertiefenden Einblick in die aktuelle Situation bei der Umsetzung der Fälschungsschutzrichtlinie.


Schönes Wetter, exzellente Vorträge – was will man mehr!

BIOPSYCHOSOZIALES PARADIGMA

Den fachlichen Start machte Univ. Prof. i.R. Dr. phil. Josef Wilhelm Egger von der Universitätsklinik für medizinische Psychologie und Psychotherapie in Graz. Der Wissenschaftler skizzierte den Übergang von der „Reparaturmedizin“, die in den letzten 150 Jahren vorherrschte, zu einem biospsychosozialen Modell, das den Menschen als körperlich-seelisches Wesen in seinen ökosozialen Lebenswelten betrachtet. Eine Folgerung für das Krankenverständnis lautet daher: Eine Unterscheidung zwischen psychosomatischen und nicht-psychosomatischen Krankheiten ist logisch falsch und daher obsolet. Egger stellte die drei Säulen dieser Medizin vor: das Wort mit kommunikativen, die Arznei mit pharmazeutischen und das Messer mit chirurgischen Wirkfaktoren. Daraus ergeben sich auch die drei Funktionen des Arztes: Der Arzt als Begleiter und medizinischer Beistand, als Katalysator mit psychotherapeutischer Kompetenz und als Problemlöser im Sinne der Reparaturmedizin.

SOMATISCHE BELASTUNGSSTÖRUNGEN

Ebenfalls von der Universitätsklinik für Medizinische 
Psychologie und Psychotherapie in Graz war PD Dr. Christian Fazekas. Sein Vortrag befasste sich mit dem klinischen Fachgebiet der psychosomatischen Medizin, die
 sich Krankheitsbildern widmet, deren erfolgreiche Behandlung die Beachtung bio-psychosozialer Zusammenhänge erfordert – also beispielweise funktionelle bzw. somatoforme Störungen. Er legte auch klar, dass dies keine Einzelfälle sind. Etwa 20 Prozent der Besuche beim Hausarzt erfolgen aufgrund solcher Beschwerden und Fazekas räumte ein, dass es an der Tara wahrscheinlich noch mehr sein werden. Die Interozeption, also die Innenwahrnehmung, ist hier ein entscheidender Faktor. Bis zu 80 Prozent der gesunden Menschen erleben selbstlimitierende, körperliche Symptome innerhalb einer Woche – das gilt als normal. Bis zu 20 Prozent aber sorgen sich wiederkehrend ernstlich um ihre Gesundheit. Fazekas wies darauf hin, dass seit 2013 anstatt der somatoformen Störung eine neue Bezeichnung eingeführt wurde, die somatische Belastungsstörung. Damit wurde das bislang wichtige diagnostische Kriterium eines unzureichenden oder fehlenden somatischen Befundes für diese Krankheitsgruppe fallengelassen. Im Mittelpunkt der Diagnose steht stattdessen eine psychische Belastungskomponente mit ihren kognitiven, emotionalen und verhaltensbezogenen Anteilen.

PSYCHOSOMATIK & SCHULMEDIZIN

Einen geschichtlichen und theoretischen Einblick in die Psychosomatik brachte Oberärztin Dr. Marion Freidl von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Wien. Interessant war beispielsweise die Darlegung, dass Angst dazu führen kann, dass die Nebenniere Adrenalin ausschüttet, wodurch über das vegetative Nervensystem unter anderem die Magen-Darm-Peristaltik gehemmt wird, was bei längerer Einwirkung zu Verdauungsstörungen führen kann. Die psychophysiologischen Zusammenhänge sind also vielseitig. Freidl ging auf die Verhaltenstherapie (VT) ein und zeigte auf, dass körperliche Missempfindungen normal sind; klinisch relevant werden sie erst, wenn der Betroffene deswegen einen Arzt aufsucht, Medikamente nimmt oder seinen Lebensstil ändert. Die VT bezieht sich dann auf konkrete Probleme, der Patient erarbeitet Lösungswege gemeinsam mit dem Therapeuten. Das führt zu mehr Entspannung, zum Aufbau eines positiven Selbstbildes, wobei die Verfahren wissenschaftlich überprüft sind. Außerdem gab die Wissenschaftlerin noch Einblicke in die symptomübergreifende Psychotherapie sowie in die medikamentöse Therapie.

NEUROBIOLOGIE DER PSYCHOSOMATIK

Am Samstagmorgen fesselte Dr. phil. Dr. scient. med. Damir Del Monte die Hörer. Mit aufwändigen plastischen 3D-Bildern und zahlreichen praktischen Beispielen gab er Einblick in das menschliche Gehirn. Er selbst beschrieb es so: Dieser Vortrag führt durch das morphologische Substrat von homöostatischer Selbstregulation und materiellem Selbsterleben, beschreibt die komplexen Wechselwirkungen im Gehirn-Körper-Dialog und stellt zugleich Modelle vor, die Ansatzpunkte therapeutischer Interventionen zu beschreiben suchen. Kurz: Eine spannende Reise durch Hirn- und Körperwelten.


Die beiden Tagungspräsidenten Univ. Prof. DDr. Christian Schubert (l.) und Mag. pharm. Hans Bachitsch sorgten für renommierte Vortragende und ein begeistertes Publikum.

PSYCHONEUROIMMUNOLOGIE

Gleich mit zwei Vorträgen stand Tagungspräsident Christian Schubert auf der Bühne. Einerseits berichtete er über den Forschungsbereich der Psychoneuroimmunologie (PNI), eine Disziplin, von der in Zukunft die meisten Innovationen für Theorie und Klinik in der Medizin zu erwarten sind. Psychisches und Psychosoziales sind nicht nur top-down mit biologischer Aktivität bis hinein in den Zellkern verbunden, sondern bestimmen auch über die Lebensspanne hinweg, ob der Mensch gesund bleibt oder krank wird. Er bezeichnete unser Immunsystem als den sechsten Sinn des Menschen. Sein zweiter Vortrag ging in die Praxis: Schubert präsentierte das Petraprojekt, die personalisierte Therapie bei rheumatoider Arthritis basierend auf dem Modell der Psychoneuroimmunologie. Das Großprojekt soll Erkrankten ermöglichen, aus ihrer passiven Krankenrolle innerhalb der mechanisierten Biomedizin herauszutreten und ganz im Sinne des biopsychosozialen Paradigmas selbstverantwortlicher mit ihrer Krankheit umzugehen.

RESILIENZ

Sehr praktisch wurde es beim Vortrag von Mag. Natalia Ölsböck. Die Psychologin näherte sich gemeinsam mit dem Publikum dem Begriff der Resilienz an, der fälschlicherweise gerne mit Alltagsstress oder Stressresistenz verwechselt wird. In Wahrheit aber spricht man dann von Resilienz, wenn man es schafft, sich trotz widriger Umstände erfolgreich anzupassen. Krisenauslöser können schwere oder chronische Erkrankungen sein, Gewalterfahrung oder der Tod eines nahestehenden Menschen sein. Ölsböck führte an, wie man Resilienz fördern kann und gab praktische Beispiele zur Selbsthilfe.

PLACEBO ODER NOCEBO?

Für extrem großes Interesse sorgte der Vortrag von Univ. Prof. Dr. Hartmut Schröder, der die Wirksamkeit von Placebo im Fokus hatte. Er ist überzeugt, dass Menschen durch ihr Bewusstsein nicht nur in der Lage sind, ihre Umwelt zu gestalten, sondern sich in einem bestimmten Rahmen auch selbst heilen können. Diese Behauptung unterlegte er mit zahlreichen Studien. Leider aber funktioniert dieser Prozess auch umgekehrt, sprich: Menschen können über ihr Bewusstsein Heilungsprozesse behindern, also Nocebos sein. Unbeabsichtigte negative iatrogene Suggestionen sind aber vermeidbar, wenn der Wirkmechanismus den Beteiligten bekannt ist und unterbrochen wird. Eine Umwandlung von Nocebo-Reizen in Placebo-Effekte ist möglich durch eine achtsame Kommunikation, die jedwede Therapie sinnvoll begleiten kann.

DER UMGANG MIT DEM PATIENTEN

Der Umgang mit den Patienten stand bei den Vortragenden Dr. Mathilde Pichler vom SMZ Süd in Wien und Mag. Dr. Verena Winkler von der Psychoonkologie in Wien im Zentrum. Pichler stellte auf Grundlage einiger allgemeiner Charakteristika von Patienten mit somatoformen Störungen interaktionelle Aspekte dar und beantwortete Fragen wie: Mit welchen Anforderungen und Appellen treten diese Patienten in Kontakt? Wie gestaltet sich die Beziehungsstruktur im Allgemeinen? Winkler bezog sich in ihrem Vortrag auf Kommunikationsmodelle und stellte klar, dass für das Gelingen der Beziehung zum Kunden eine angemessene Emotionsregulation unabdingbar ist. Aber: Dies bedeutet nicht, dass jedes Kundenverhalten lächelnd akzeptiert werden muss. Darüber hinaus ging sie auf jene Interaktionsmuster ein, die jeder Mensch in seiner Kindheit erlernt hat und die auf alle späteren Beziehungen einwirken – auf beiden Seiten der Tara.

STRESS SCHÄDIGT

Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig vom Helmholtz Zentrum München sprach über den biopsychosozialen Aspekt am Beispiel koronarer Herzerkrankungen. Er ging auf den Arbeitsstress und die daraus resultierenden Folgen von Isolation und Entfremdung bei einer Überforderung ein. Er beleuchtete das klinische Bild der „komorbiden“ Depression bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung und zeigte effektive Therapiemöglichkeiten auf. Das Stress kein guter Begleiter ist, zeigte auch Dr. Lothar Krenner von der Österreichischen Ärzte-Gesellschaft für Ayurveda-Medizin in Wien auf und gab eine Einführung in diese alternative Heilmethode.


„Hausherr“ Mag. pharm. Paul Hauser, Präsident der Landesgeschäftsstelle Kärnten der Österreichischen Apothekerkammer, zu Besuch am Stand des VAAÖ bei VAAÖ-Direktor Mag. Norbert Valecka (r.)


Nach der Tagung lud die Kammer zu einem gemütlichen Beisammensein.


Die zahlreichen Aussteller freuten sich über das rege Interesse der Teilnehmer.

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Arbeitsgemeinschaft österreichischer Krankenhausapotheker
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Die Kampagne von Apothekerkammer und dem BM f. Gesundheit gegen Arzneimittelfälschungen.
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