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15.05.2020

Was tun mit den Minusstunden?

Foto: © shutterstock / MIKHAIL GRACHIKOV

Zu Beginn der Corona-Krise haben viele Apothekenbetriebe auf einen 2-Teams-Dienst umgestellt, um im Falle der Infektion eines Mitarbeiters ein einsatzbereites Team zur Verfügung zu haben, das mit dem anderen Team keinen Kontakt hatte. Das große Manko bei dieser Vorgehensweise war, dass die geänderte Diensteinteilung oft zu einer anderen Anzahl an Arbeitsstunden führte als es dem Dienstausmaß der einzelnen Dienstnehmer entsprach.

Im Zuge der momentanen Maßnahmenlockerungen stellen viele Betriebe wieder auf Normalbetrieb um und ziehen Bilanz.

Manche Dienstgeber haben sich bereits zu Beginn ihrer 2-Teams-Diensteinteilung erkundigt, wie bezüglich der Plus- und Minusstunden der einzelnen Dienstnehmer vorzugehen ist und Durchrechnungsvereinbarungen mit ihnen ausgemacht.  Dadurch können Arbeitszeiten, die über oder unter dem vereinbarten Dienstausmaß liegen, innerhalb eines Durchrechnungszeitraums von (maximal) 26 Wochen wieder ausgeglichen werden und bis zu 20 Plusstunden bzw. bis zu 8 Minusstunden in den folgenden Durchrechnungszeitraum mitgenommen werden.

Es gibt aber auch Apothekenbetriebe, in denen vorab Nichts besprochen wurde und wo Dienstgeber jetzt fassungslos über die Rechtslage bezüglich der angefallenen Minusstunden sind:

Da die Dienstnehmer bereit waren, die ihrem Dienstausmaß entsprechenden Arbeitsstunden zu leisten und die Dienstgeber sie nicht in vollem Umfang eingesetzt haben, haben sie auf die Dienstleistung verzichtet. Es liegt eine Entgeltfortzahlung unter Verzicht auf die Arbeitsleistung vor, wie bei einer Dienstfreistellung. Genau genommen ist es eine wöchentliche Dienstfreistellung für eine gewisse Stundenanzahl.

Bezüglich Plusstunden ist die Situation einfacher, sie können ausgezahlt werden oder es wird Zeitausgleich vereinbart.

Wenn Dienstnehmer ihren Dienstgebern bezüglich angefallener Minusstunden entgegenkommen wollen, ist das aus arbeitsrechtlicher Sicht nicht so einfach. Man müsste nachträglich eine Durchrechnungsvereinbarung fingieren, um  ausgefallene Stunden nach zu leisten, und nachträgliches Fingieren ist aus juristischer Sicht alles andere als schön.

Bei allen Diskussionen zum Thema „Minusstunden“ und der Begehrlichkeit der Dienstgeber auf Ausgleich dieser Stunden, darf nicht übersehen werden, dass dieses Nacharbeiten oft gar nicht möglich ist: Dienstnehmer mit einem hohen Dienstausmaß können innerhalb des Normalarbeitszeitrahmens nur wenige Stunden zusätzlich leisten. Dienstnehmer mit einem niedrigen Dienstausmaß wiederrum haben oft ein zweites Dienstverhältnis oder Betreuungspflichten, die ein „Nachbringen“ ausgefallener Arbeitsstunden unmöglich machen.

Zu diesen und allen anderen arbeitsrechtlichen Fragen stehen die Juristen des VAAÖ dessen Mitgliedern wie immer unter 01 40414411 oder rechtsberatung@vaaoe.at zur Verfügung.

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