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20.07.2020

e-Rezept: „Das können wir auch!“

Foto © shutterstock / Golden Sikorka


„Wir Apotheker stehen für die Umsetzung des e-Rezeptes gerne zur Verfügung; vorher müssen allerdings die rechtlichen, sicherheitstechnischen und finanziellen Rahmenbedingungen geklärt sein.“
VAAÖ-Präsident Raimund Podroschko


„Es wäre sicherlich für alle Beteiligten wünschenswert, dass man für das Abholen seiner Dauermedikation nicht unbedingt zweimal persönlich wo erscheinen muss.“
ÖGK-Generaldirektor Bernhard Wurzer


„Das e-Rezept ist eine Anwendung der Digitalen Transformation, die für alle unmittelbaren Nutzen stiftet.“
Projektleiter Walter M. Bugnar, Pharmazeutische Gehaltskasse

Vor der Umsetzung müssen die Rahmenbedingungen stimmen.

Das e-Rezept soll jetzt zügig umgesetzt werden. Welche Voraussetzungen es dazu braucht und welche „Hausaufgaben“ vorher noch zu machen sind, erläutert Raimund Podroschko, Vizepräsident der Apothekerkammer und VAAÖ-Präsident, in unserem Interview.

Herr Mag. Podroschko, die COVID-19-Krise hat Vieles in Gang gebracht bzw. beschleunigt, was vorher nicht denkbar gewesen wäre. Eines davon ist das kontaktlose Rezept, dem ja nun bald das reguläre e-Rezept folgen soll …

Mag. pharm. Raimund Podroschko: Ja, das stimmt. Das Corona-Virus macht auch dem e-Rezept „Beine“, wobei es wichtig ist, hier zwischen kontaktfreiem Rezept, e-Rezept und e-Medikation zu unterscheiden. Derzeit verwenden wir die e-Medikation als Basis für das kontaktlose Rezept, das wir rasch und unbürokratisch als Notlösung in dieser besonderen Situation rund um COVID-19 eingeführt haben.

Das „richtige“ e-Rezept hingegen basiert nicht auf der e-Medikation, sondern ist eine Anwendung im e-card-System, womit Prozesse zwischen Apotheken, Ärzten, Krankenhäusern und der Sozialversicherung, die bisher umständlich und aufwendig „per Papier“ gemanaged wurden, nun weitgehend durch elektronische Abläufe ersetzt werden. Konkret betrifft das die Ausstellung, Einlösung und Abrechnung von Kassenrezepten. Außerdem werden die eingehobenen Rezeptgebühren tagesaktuell dem Rezeptgebühren-Konto (REGO) der Versicherten angerechnet. Deshalb kann z.B. auch sofort ein Erreichen der Rezeptgebühren-Obergrenze berücksichtigt werden. 

Kurz gesagt: Grundlage der e-Medikation ist das Gesundheitstelematikgesetz. Sie ist eine Anwendung im Rahmen der ELGA, verantwortlich sind zu je einem Drittel Sozialversicherung, Bund und Länder, und ihr Fokus liegt auf der besseren Verfügbarkeit medizinischer Daten. 
Die gesetzliche Grundlage für das e-Rezept hingegen ist das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz, die Treiber sind der Dachverband und die SVC; sein Fokus liegt auf der Digitalisierung administrativer Prozesse. 

In beide Systeme werden bei einer Verschreibung und beim Einlösen eines Rezeptes Daten eingegeben.

Was bringt das e-Rezept, und wem nützt es?

Podroschko: Ziel sind weniger Bürokratie für alle, eine Kostenersparnis in der Verwaltung, weniger Wege für die Patienten und eine übersichtlichere, bessere Verfügbarkeit der Daten, so dass sie auch besser verarbeitet werden können.

ÖGK-Generaldirektor Bernhard Wurzer meinte vor Kurzem, dass es für alle Beteiligten wünschenswert ist, dass man für das Abholen seiner Dauermedikation nicht unbedingt zweimal persönlich wo erscheinen muss. Zudem soll es künftig auch Erleichterungen bei der Chefarztpflicht geben, die ja derzeit wegen der Corona-Krise für die Bewilligung der meisten Arzneimittel ausgesetzt ist. Solche Lockerungen dauerhaft in den Regelbetrieb überzuführen, bedeutet eine logistische und bürokratische Erleichterung für alle Beteiligten, vor allem für unsere Patienten, und es können Kosten damit eingespart werden, ohne dass die Therapiequalität darunter leidet.

Wie soll die Realisierung des e-Rezepts vor sich gehen?

Podroschko: Jetzt ist einmal ein Pilotprojekt in zwei Kärntner Bezirken angedacht.

Ob der Termin der flächendeckenden Einführung, die bis 31.Mai 2022 geplant war, angesichts der nicht gerade kurzen To-do-Liste eingehalten werden kann, wird sich zeigen. Wir werden jedenfalls darauf bestehen, dass zuerst die entsprechenden Hausaufgaben gemacht werden, so dass wir Apotheker mit der nötigen Planungssicherheit starten können. Wir sind bereits einige Male mit anderen Projekten ins kalte Wasser gesprungen „worden“; hier wird das nicht passieren!

… das klingt nach einem großen Aber?

Podroschko: Für uns sind vier Punkte essenziell für die Realisierung dieses Projektes. Ohne deren Erfüllung im Vorfeld geht gar nichts! Das sind:

Praktikabilität. Die Handhabung des e-Rezeptes muss in die täglichen Abläufe in der Apotheke gut integrierbar sein, damit nicht noch mehr Arbeitsaufwand für die Kollegen entsteht.

Sicherheit im Handling. Es muss jeder erdenkliche Fall bereits im Vorfeld durchgespielt werden, damit klar ist, was in welcher Situation erforderlich ist. Die Kollegen müssen mit Fragen „Wie hol´ ich was?“, „Was mach´ ich, wenn…?“ usw. vertraut sein. Deshalb muss es auch eine Übergangsphase, in der e-Rezept und Papierrezept parallel laufen, geben.

Entsprechende Honorierung. Wir müssen uns im Vorfeld auf eine Handlingpauschale einigen, mit dem den Apothekern der Mehraufwand abgegolten wird. Die finanziellen Belastungen für die Apothekenbetriebe sind bereits jetzt sehr hoch. Die Kosten für die Umsetzung des e-Rezeptes dürfen keinesfalls an uns hängen bleiben. Das ist auch eine Frage der Arbeitsplätze.

Datenschutz. Derzeit, mit dem kontaktlosen Rezept, ist der erforderliche Datenschutz nicht gewährleistet. Bevor wir beim Pilotprojekt mitmachen, muss das alles geklärt sein. Ich könnte mir z.B. einen QR-Code oder Ähnliches vorstellen. Zudem muss die Schnittstellenproblematik zwischen ELGA und e-Rezept gelöst werden, wozu es übrigens bereits eine Einigung gibt.

An all diesen Punkten arbeiten wir derzeit mit Hochdruck, wobei ich mit Ing. Walter Bugnar, der in der Gehaltskasse für die Umsetzung des e-Rezeptes seitens der Apotheker zuständig ist, einer Meinung bin, dass für uns Qualität VOR Termin geht. Wir können erst dann in einen Probetrieb eintreten, wenn die standespolitischen, (datenschutz)rechlichen, administrativen und technischen Aufgabenstellungen geklärt sind. Dazu arbeiten wir eng mit der SVC und den Herstellern von Apothekensoftware zusammen. Das stimmt uns jedenfalls zuversichtlich.

Wie ist hier das Standing der Apotheker, die ja mit ihrer Arbeit im Zuge der Corona-Krise viel an Wertschätzung und Vertrauen dazugewinnen konnten?

Podroschko: Ihre hervorragenden Leistungen, ihre Kompetenz und ihre Verlässlichkeit – vor allem jetzt, während der Corona-Krise -, machen die Apotheker zunehmend nun auch für die Politik zu attraktiven Partnern und damit uns stark für die weiteren Gespräche mit der ÖGK, dem Dachverband und insbesondere dem Gesundheitsministerium. Nicht umsonst hat Minister Anschober vor Kurzem auch die Wirkstoffverschreibung und das Impfen durch uns Apotheker ins Gespräch gebracht. 

Wenn also die erwähnten Hausaufgaben in Hinblick auf die rechtlichen, sicherheitstechnischen und finanziellen Rahmenbedingungen gemacht sind, stehen wir Apotheker auch für die Realisierung des e-Rezeptes in der „Vollversion“ gerne zur Verfügung. Denn es bedeutet eine Erleichterung in den Abläufen, eine weitere Aufwertung unseres Berufsstandes und vor allem ein Service für unsere Patienten, die das sicherlich zu schätzen wissen. Besonders patienten- und lösungsorientiert wäre dieses Angebot in Verbindung mit einer Wirkstoffverschreibung und mit der Möglichkeit des Impfens durch uns Apotheker, sodass die Apotheke ihre Funktion als Gesundheitsdrehscheibe und Nahversorger weiter ausbauen kann. Das käme wiederum den hochqualifizierten Arbeitsplätzen zu Gute.

Und eines dürfen wir auch nicht vergessen: Die Krise ist noch nicht vorbei; die Menschen in Österreich vertrauen und verlassen sich auch weiterhin auf uns.

Deshalb sind wir zu allen sinnvollen Maßnahmen bereit, vorausgesetzt die Rahmenbedingungen stimmen und die Sicherheit ist in allen Aspekten gewährleistet. Aber dass das kein Mirakel ist, zeigen uns die vielen Beispiele aus den anderen EU-Staaten, in denen das e-Rezept bereits eine Selbstverständlichkeit ist.

Und was die Kollegen in diesen Ländern können, können wir auch!

Vielen Dank für das Gespräch!

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