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16.03.2020

COVID-19 Auf der Suche nach Therapieansätzen

Foto: © shutterstock / MintArt

COVID-19
Wichtige Links:

Gesundheitsministerium: https://www.sozialministerium.at/Informationen-zum-Coronavirus.html
AGES: https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/coronavirus/
ORF: https://orf.at/corona/
WHO: https://www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019

COVID-19
Auf der Suche nach Therapieansätzen

Die Coronavirus-Pandemie lässt Wissenschafter aller Nationen und die Pharmaindustrie nach Therapie-Ansätzen suchen. Zahlreiche Möglichkeiten werden genannt, doch eine starke wissenschaftliche Evidenz durch klinische Studien fehlt bisher.
Elisabeth Puchhammer-Stöckl vom Zentrum für Virologie der MedUni Wien hat vor kurzem in der Virusepidemiologischen Information einige Möglichkeiten angeführt. Bisher sei die Entwicklung von Therapien nach Ausrottung von SARS und dem nur seltenen Auftreten von MERS-Coronavirus-Erkrankungen kein großes Thema gewesen, schrieb die Expertin.

Remdesivir
Die Virologin weiter: "Nun aber wird intensiv nach Substanzen gesucht, die die Vermehrung von Coronaviren behindern können. Vor allem Medikamente, die schon für die Therapie gegen andere RNA-Viren eingesetzt wurden und für die es schon Erfahrungswerte in der Anwendung am Menschen gibt, sind derzeit im Fokus der Forscher. Ein möglicher Kandidat ist die Substanz Remdesivir (GS-5734), die bisher unter anderem zur Behandlung von Ebolavirusinfektionen eingesetzt wurde."
Bei dem Wirkstoff handelt es sich um ein Nukleosidanalogon, das bei der Replikation der Viren in infizierte Zellen als "falscher" Baustein in die neu entstehende RNA-Erbsubstanz eingebaut wird. Das blockiert die Synthese der RNA für neue Viruspartikel.
Der erste Patient, der in den USA mit einer Infektion mit dem neuen Coronavirus in Spitalsbehandlung aufgenommen wurde, erhielt beispielsweise auch Remdesivir. Wissenschaftliche Daten gibt es laut der Expertin aus China: "Chinesische Forscher haben nun im Zellkulturmodell die Wirksamkeit von Remdesivir und anderen Substanzen gegen das neue SARS-CoV-2 untersucht. Den mit diesem Virus infizierten humanen Zellkulturen wurden einzelne Medikamente zugesetzt, und man beobachtete die unter Therapie entstehende Viruskonzentration (...). Laut eines Berichts der Forscher aus Wuhan scheint Remdesivir in der Zellkultur tatsächlich die Virusvermehrung in den Zellen zu reduzieren." Ähnliches hätte man auch mit dem Malariamedikament Chloroquin beobachtet.

Favipiravir
Favipiravir sei ein anderes Medikament, das ebenfalls Wirksamkeit gegen RNA-Viren zeigt. Es handelt sich um einen Hemmstoff von RNA-Polymerasen. Das sind Enzyme, die die Virusreplikation ermöglichen. Wirksam ist die Substanz zum Beispiel gegen Influenza-, West-Nil- oder Gelbfieberviren.

Lopinavir/Ritonavir
Auch Proteasehemmer, wie sie erfolgreich bei der Behandlung von HIV-Infizierten eingesetzt werden, dürften auf die SARS-CoV-2-Erreger eine Wirkung haben. Die Expertin: "Auch die bei HIV-Patienten häufig angewandte Kombination der Proteasehemmer Lopinavir/Ritonavir wurde bereits zur Behandlung von Coronavirusinfektionen eingesetzt und scheint bei SARS auch eine gewisse Wirksamkeit gehabt zu haben. In einer aktuellen Studie im Mausmodell aber war Remdesivir deutlich wirksamer in der antiviralen Aktivität und in der Reduktion der Viruslast in der Lunge der Tiere." Auf die Verwendbarkeit von Lopinavir/Ritonavir hat bereits vor einigen Jahren der Wiener Infektiologe Christoph Wenisch hingewiesen.

ACE2-Enzym
Vor einigen Tagen sorgte das Wiener Biotech-Unternehmen Apeiron mit Co-Gründer Josef Penninger für Aufsehen. Bei Apeiron hatte man rekombinant hergestelltes ACE2-Enzym als möglichen Therapieansatz bei akutem Lungenversagen erforscht. Eine angekündigte Studie in China mit Covid-19-Patienten konnte aber offenbar noch nicht begonnen werden.
ACE2 ist auf Zellen der Rezeptor für SARS-CoV-2. ACE2 soll das Andocken des Virus an die Zellen verhindern. Die "Stacheln" an der Oberfläche der SARS-CoV-2-Partikel, die an Zellen der Lunge binden könnten, sollen so mit den durch die Behandlung zugeführten ACE2-Rezeptoren "besetzt" werden. Damit soll vermieden werden, dass das Virus in die Zelle eindringt. Hinzu kommt, dass ACE2 einen entzündungshemmenden und lungenödemdämpfenden Effekt hat, der in direkter Verbindung mit der Funktion von ACE2 im Renin-Angiotensin-Aldosteron-System steht. Das alles ist in der Behandlung von akutem Lungenversagen (ARDS) erwünscht.

Solnatide
Das Wiener Biotech-Unternehmen Apeptico will hingegen mit EU-Hilfe seinen Wirkstoff Solnatide gegen akutes Lungenversagen (ARDS) weiterentwickeln. Das Peptid soll die Dichtheit von Membranen im Lungengewebe wiederherstellen. Bisher wurden laut Angaben des Unternehmens zwei placebokontrollierte Phase-II-Studien bei Patienten mit Pneumonie etc. durchgeführt. Für eine eventuelle Zulassung sind größere Studien notwendig.
Derzeit laufen bei den multinationalen Pharmakonzernen die Screening-Tests von Millionen Substanzen aus Wirkstoffbibliotheken, um potenziell gegen das neue Coronavirus effektive Stoffe zu identifizieren. Die Entwicklungsarbeiten benötigen jedoch Zeit.

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