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25.07.2019

Der EPSU-Kongress 2019 in Dublin

„Figthing for a Future for All!“

von Mag. Norbert Valecka

Wie man – against all odds - „eine Zukunft für alle“ erreichen und, wenn nötig, auch erkämpfen könne, war Thema des diesjährigen Kongresses der EPSU in Dublin. Über 600 TeilnehmerInnen diskutierten Verbesserungen der öffentlichen Dienstleistungen, Kollektivverhandlungen, Geschlechtergleichstellung und vieles mehr.

Die EPSU, die European Public Service Union, bzw. der EGÖD, der Europäische Gewerkschaftsverband für den Öffentlichen Dienst, ist die Stimme von 8 Millionen ArbeitnehmerInnen im öffentlichen Dienst in Europa. Entsprechend schwergewichtig und umfassend präsentierte sich der diesjährige EPSU-Kongress vom 4. Bis 7. Juni in Dublin, wo sich über 600 TeilnehmerInnen aus ganz Europa trafen, um sich auszutauschen, ihre Erfahrungen und Lösungsansätze zu teilen und gemeinsame Maßnahmen zu diskutieren. 

EPSU-Resolution I: gemeinsame Gewerkschaftsaktionen zur Stärkung der Gleichstellung der Geschlechter

Der Kongress fand heuer zum zehnten Mal statt – er wird alle fünf Jahre organisiert – und stand unter dem Motto „Figthing for a Future for All“. Organisiert wurde das facettenreiche Event von der RDS, der Royal Dublin Society.

Warum EGÖD?

Man mag sich fragen, was der EGÖD mit den ApothekerInnen zu tun hat. Sehr viel, denn dessen Mitglieder stellen öffentliche Dienste unabhängig davon bereit, ob sie direkt im öffentlichen Sektor beschäftigt sind, für Non-Profit-Organisationen oder in Unternehmen der Privatwirtschaft arbeiten. Die Mitglieder sind in Gesundheitseinrichtungen - wie eben Apotheken - und Sozialdiensten, in kommunalen und nationalen Körperschaften, in der Energie-, Entsorgungs- und Wasserwirtschaft u.ä. tätig.

Besser gemeinsam …

Die EGÖD-Präsidentin Isolde Kunkel-Weber eröffnete heuer „ihren letzten Kongress“, da ihre 10-jährige Amtszeit mit dieser Veranstaltung zu Ende ging, und forderte „den Zugang für alle zu Public Services unter Respektierung der Ressourcen unseres Planeten“.

Anschließend begrüßte der Dubliner Bürgermeister Nial Ring die Delegierten in Dublin und wünschte eine schöne Zeit in Irland. Er zeigte sich von der Notwendigkeit einer gewerkschaftlichen Bewegung besonders in der heutigen Zeit überzeugt und erinnerte an die ersten Frauen im britischen Parlament, die ebenfalls „für eine Zukunft für alle“ kämpften. Als Ehrengast hielt Irlands Präsident Michael D. Higgins eine Rede - er selbst und seine Frau sind bereits seit über 50 Jahren Gewerkschaftsmitglieder - und betonte, wie wichtig es sei, dass sich die Menschen mobilisieren und in Vereinigungen zusammenschließen. Er meinte: „Good jobs in public services means good service for citizens,” sie dürften nicht als zusätzliche Kosten, sondern als eine wertvolle Investition in die Zukunft angesehen werden.

Zur neuen EPSU-Präsidentin wurde Mette Nord und zum Generalsekretär Jan Willem Goudriaan mit überwältigender Mehrheit gewählt.

EPSU-Resolution II: Unterstützung des EGÖD für Frauen zur Überwindung des geschlechterspezifischen Lohngefälles im öffentlichen Dienst

Keine Kürzungen!

Am Kongress selbst nahmen über 600 TeilnehmerInnen – darunter auch der Autor dieses Berichtes - aus ganz Europa teil, mehr als die Hälfte davon war weiblich. Sie teilten Ihre Erfahrungen im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung, gegen Diskriminierung und Ausgrenzung. Das wichtigste Thema war allerdings die Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen. Kürzungen haben in den letzten zehn Jahren europaweit besonders in diesem Sektor stattgefunden und hier vor allem im sozialen und Gesundheitsbereich. Die Sparmaßnahmen betreffen diesbezüglich Frauen überproportional, da sie im öffentlichen Dienst vermehrt tätig sind. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen auf die Bevölkerung der jeweiligen Länder, und hier wiederum insbesondere auf jene, die auf die Unterstützung seitens des Sozialstaates angewiesen sind, - also (chronisch) kranke und alte Menschen sowie wirtschaftlich Schwache wie AlleinerzieherInnen etc.

Ein breites Spektrum

Diese brennenden Themen wurden in zahlreichen fundierten Vorträgen, auch aus Ländersicht, sowie in Podiumsdiskussionen aufgegriffen. Weitere wichtige Problemstellungen, die eingehend diskutiert wurden, waren „Kollektivverhandlungen und Gewerkschaftsrechte“, „Verhandlungen auf europäischer Ebene“, „Geschlechtergleichstellung“, „Kampf gegen Privatisierung“, „Digitalisierung“ sowie „Aufbau von Gewerkschaften“.

Zwei Resolutionen

Auf dem Kongress wurden schließlich zwei Resolutionen gefasst: gemeinsame Gewerkschaftsaktionen zur Stärkung der Gleichstellung der Geschlechter und die Unterstützung der Organisation für Frauen zur Überwindung des geschlechterspezifischen Lohngefälles im öffentlichen Dienst.

Hilfe für Migranten

Beim Kongress wurde außerdem die Solidarität mit jenen bekräftigt, die vor Verfolgung fliehen mussten; und Mitglieder berichteten differenziert über ihre Zusammenarbeit mit MigrantInnen. So haben die EGÖD-Mitgliedsorganisationen ein europaweites Netzwerk von ArbeitnehmerInnen etabliert, die Dienstleistungen für Neuankömmlinge erbringen. Gemeinsam mit Migrantenorganisationen kämpfen sie für humanere Dienstleistungen und die dafür erforderlichen hochwertigen Arbeitsplätze.

Gemeinsam stark!

Succus dieses Kongresses, auf dem viele Problemstellungen, die ArbeitnehmerInnen betreffen, angesprochen und diskutiert wurden, war, dass die Lösung für die unweigerlich auf uns zukommenden Herausforderungen in den nächsten Jahren in einem festen Zusammenhalt und einem gemeinsamen, konzertierten Vorgehen liegt. Die Stärke der Gewerkschaften, die diese wiederum für ihre Mitglieder einsetzen können, beruht auf „unserer Stärke und unserem Durchhaltevermögen, aber auch auf unserem Engagement“, wie es ein Teilnehmer formulierte. Denn der Arbeitnehmer als Einzelkämpfer kann nur wenig erreichen. Nur gemeinsam kann jene „kritische Masse“ aufgebaut werden, die gehört wird, die die Anliegen der ArbeitnehmerInnen mit dem nötigen Nachdruck vertreten und, wenn es nötig ist, deren Rechte auch erkämpfen kann.

Dieser Kongress zeigte einmal mehr, wie wichtig es für ArbeitnehmerInnen ist, sich - auch international – zu vernetzen und zusammenzuschließen. Das wird in wirtschaftlich angespannten Zeiten wie diesen immer bedeutsamer. Denn die Erfahrung zeigt, gespart wird immer als erstes bei den ArbeitnehmerInnen und im sozialen Bereich. Man war sich einig, dass es hier eine Kraft brauche, die sich diesen bedenklichen Entwicklungen entgegenstellt und immer wieder Anstöße für ein Be- und Umdenken gibt.

In den kommenden fünf Jahren wird der EGÖD mit Hochdruck daran arbeiten, diese Stärke als eine schlagkräftige Organisation weiter auszubauen, um seine Mitglieder bestmöglich unterstützen zu können, so das Fazit dieses EPSU-Kongresses 2019.

Der EGÖD

Der EGÖD repräsentiert 8 Millionen Beschäftigte, organisiert in 270 Gewerkschaften in 49 Ländern. Er ist die offizielle Regionalorganisation der Internationale der Öffentlichen Dienste, PSI, und Mitglied des Europäischen Gewerkschaftsbundes, dessen Organisationen eng zusammenarbeiten.


Mag. Norbert Valecka, Direktor des VAAÖ

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