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26.08.2019

Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz in Alpbach

„America First“ – ein gescheitertes Experiment


von VAAÖ-Direktor Mag. Norbert Valecka

Getreu dem Motto „America First“ seien, so Stiglitz pointiert, die USA vor allem bei der Ungleichheit im Gesundheitswesen Spitze.

Wäre ich nicht selbst erst drei Tage vor Beginn der heurigen Gesundheitsgespräche in Alpbach von einem dreiwöchigen USA-Urlaub mit Kind und Kegel zurückgekehrt, so würde ich nach der Eröffnungs-Keynote des Wirtschafts-Nobelpreisträgers Joseph Stiglitz über seine Heimat annehmen, die Vereinigten Staaten versinken gerade in Chaos und Anarchie. So streng geht der „Popstar unter den Ökonomen“ mit seiner Heimat ins Gericht.  

Joseph Stiglitz, US-Ökonom, Vordenker und Trump-Kritiker, schildert düster die Früchte der Versäumnisse in der Gesundheitspolitik und im sozialen Bereich des (noch?) mächtigsten Landes der Erde. Beginnend mit der Reagan-Administration vollzog sich in den USA das „Experiment Neoliberalismus“, das nach Stiglitz als glorreich gescheitert betrachtet werden könne. Denn nicht Chancengleichheit für alle wurde erreicht, sondern eine gespaltene Gesellschaft, die in ihrer Frustration anfällig geworden sei für populistische Politiker wie Donald Trump. Nicht nur, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich vergrößert habe, sei vor allem die amerikanische Mittelschicht frustriert, da ihr Einkommen inflationsbereinigt seit 40 Jahren stagniere. Die Folge davon sei, dass sich bei steigenden Lebenshaltungskosten immer weniger Menschen in den USA eine Krankenversicherung leisten könnten bzw. nach einer Erkrankung in die Armutsfalle kippten.

Spitze – bei der Ungleichheit

Getreu dem Motto „America First“ seien, so Stiglitz pointiert, die USA vor allem bei der Ungleichheit im Gesundheitswesen einsame Spitze. Und dies sieht er auch als politisch in Kauf genommen, wenn nicht sogar gewollt. So wurde im Zuge von Obama-Care von der US-Bundesregierung Geld für die Einrichtung einer Krankenversicherung für die ärmste Bevölkerungsschicht zur Verfügung gestellt; die konkrete Implementierung sollte durch die einzelnen US-Bundesstaaten erfolgen. Aber gerade die ärmsten - meist republikanisch geführten - Staaten haben die Bundesgelder jedoch nie abgerufen und kein System etabliert.

Ein weiterer Faktor ist, dass durch teure Universitäten der Zugang zur Bildung erschwert werde. Ein gesellschaftlicher Aufstieg gemäß dem „American dream“ sei für die meisten nicht mehr möglich.

Mittlerweile schade der Umstand der immer stärker auseinanderklaffenden Einkommensschere bereits der Wirtschaft, denn „eine kranke Gesellschaft bedeute kranke Arbeitskräfte und damit eine sinkende Produktivität“. Und dass die US-Gesellschaft krank sei, zeige sich nicht nur an einer seit einigen Jahren sinkenden Lebenserwartung, sondern auch an einer Zunahme bei Suiziden und Suchterkrankungen. Stiglitz erinnert die derzeitige Situation der USA stark an Russland, kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

„Wir können gewinnen!“

Damit ist für Stiglitz das Experiment Neoliberalismus gescheitert. An der nächsten Regierung, aber auch an der Zivilgesellschaft werde es liegen, die Ungleichheiten zu beseitigen. Bezüglich des WIE verweist er schmunzelnd auf sein Buch „Reich und Arm“  (versandkostenfrei bestellbar bei buchaktuell.at) . Trotzdem ist der Professor aber überzeugt: „Wir können (noch) gewinnen!“

Sein Vortrag endet mit einem Seitenhieb auf die Waffenlobby: „Die Freiheit des einen, eine Waffe zu tragen, ist die Unfreiheit des anderen, dadurch sein Leben zu verlieren.“

Fotos: Titelbild: © shutterstock / Lane V. Erickson; Mag.Valecka: © VAAÖ; Hr. Stiglitz: © EFA / Jannik Rakusa

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