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19.03.2020

2-Teams-Dienste: arbeitsrechtliche Fragen

Foto: © shutterstock / Sapunkele

Viele Apotheken stellen derzeit auf einen Betrieb im 2-Teams-Rhythmus um, um im Falle einer Erkrankung eines Mitarbeiters ein gänzlich „unbelastetes“ Team zur Verfügung zu haben. Das ist sicherlich eine sinnvolle Vorgehensweise, wirft aber allerdings arbeitsrechtlich Probleme auf.

Bei Minusstunden

Fallen aufgrund der Bildung von zwei getrennten Teams für Dienstnehmer „Minusstunden“ an, weil diese eine höhere Dienstverpflichtung in ihrem Dienstvertrag vereinbart haben als ihrer Diensteinteilung im 2-Teams-Dienst entspricht, so bedeutet das nicht, dass diese Stunden automatisch nachzuarbeiten sind oder vom Gutstundenkonto abgezogen werden müssen, und schon gar nicht, dass sie als Urlaubskonsum verrechnet werden dürfen.

Möglich ist die Vereinbarung eines Durchrechnungszeitraums, durch den jetzt ausfallende Stunden innerhalb des kommenden halben Jahres (so lange kann ein Durchrechnungszeitraum sein) eingearbeitet werden. Es darf aber die Grenze von 44 Wochenstunden nicht überschritten werden; und es dürfen höchstens 8 Stunden in den nächsten Durchrechnungszeitraum übertragen werden. Alle darüber hinaus offenen Stunden verfallen mit dem Ende des Durchrechenzeitpunktes.

Besteht bereits eine Durchrechnungsvereinbarung, muss man den Zeitrahmen überprüfen, um festzustellen, innerhalb welchen Zeitraums die Stunden ausgeglichen werden könnten; denn auch hier gilt, dass nur maximal 8 Minusstunden in den nächsten Durchrechnungszeitraum mitgenommen werden können. Eine vorzeitige Beendigung des bestehenden Durchrechnungszeitraums, um eine neue Durchrechnung zu beginnen, müsste wiederum ausdrücklich vereinbart werden.

Allenfalls könnte auch vereinbart werden, dass offene Zeitausgleichguthaben durch den geringeren Dienst konsumiert werden, nicht jedoch die Urlaubskonsumation, da dadurch der Urlaubszweck nach dem Urlaubsgesetz missachtet werden würde.

Kommt es zu keiner Einigung darüber, wie die fehlenden Stunden behandelt werden sollen, hat der Dienstnehmer Anspruch auf sein vereinbartes Gehalt, ohne die Stunden in vollem Ausmaß geleistet zu haben.

Bei Plusstunden

Fallen durch die neue Diensteinteilung Plusstunden an, so sind diese wie immer durch Höhermeldung bei der Pharmazeutischen Gehaltskasse abzugelten oder mittels Zeitausgleich im Ausmaß 1:1. Achtung bei Durchrechnungsvereinbarungen: Es können nur 20 Stunden mitgenommen werden; der Rest ist am Ende des Durchrechnungszeitraums auszuzahlen.

Kurzarbeit

Unter Kurzarbeit versteht man, dass ein Betrieb aufgrund wirtschaftlicher Probleme die Arbeitszeiten mit Zustimmung der betroffenen Dienstnehmer und der Sozialpartner kürzt und das Arbeitsmarktservice den Verdienstausfall der Dienstnehmer zu einem großen Teil übernimmt. Ob Apotheken auf diese Möglichkeit zurückgreifen können ist daher insbesondere in Bezug auf die 2 Teams Bildung äußerst fraglich, allerdings noch nicht 100%ig geklärt.

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