Das 12th European Women Pharmacists Meeting in Wien

Die Pharmazie ist weiblich

Die Pharmazie ist weiblich – und das nicht erst seit heute. So wie die Frauen heuer dem österreichischen Fußball den Spirit wiedergegeben haben, so sind auch die Apothekerinnen – ob sie nun an der Tara, im Krankenhaus etc. tätig sind – in ihrem täglichen Patientenkontakt „die Seele“ der Pharmazie, wie die Teilnehmerinnen am 12th European Women Pharmacists Meeting anschaulich unter Beweis stellten.

„In Austria the pharmaceutical profession is female-dominated which also contributes to the skills and the spirit of these 89 percent of all Austrian pharmacists – and their male colleagues too!“ führte Raimund Podroschko, Vizepräsident der Apo­thekerkammer und VAAÖ-Präsident, in seiner Eröffnungsrede zum 12th Eu­ropean Women Pharmacists Meeting aus, das am 30. September im Festsaal des Apothekerhauses in der Spitalgasse in Wien über die Bühne ging. Vor den zahlreichen Teilnehmerinnen, die aus weiten Teilen Europas angereist waren, zog er den Vergleich zum „Wunder­team“ des österreichischen Frauenfuß­balls 2017 und meinte im Sinne des diesjährigen Mottos weiter: „Women Pharmacists – always one step ahead” – not too far ahead of men I hope but ahead in shaping the future for our profession. The future’s still bright for pharmacists, but we need to be innovators and game changers instead of fast adapters and adopters to the change that is to come.“
Entsprechend ambitioniert war auch das Programm der Tagung mit vier Work­shops neben den aufschlussreichen Vor­trägen, einem Empfang beim Wiener Bürgermeister und dem anschließenden, wohlverdienten Heurigenabend.
Als weitere Gastgeber des Meetings – bestens organisiert von Christina Fuchs und ihren Kollegen - begrüßten Elfriede Dolinar, emerit. Leiterin der Anstalts­apotheke des Wiener AKH, und Nor­bert Valecka, Direktor des VAAÖ, die Referentinnen aus Holland, England, Island, Irland und Deutschland sowie die Teilnehmerinnen, darunter auch EAHP-Präsidentin Joan Peppard.

Von Frauen für Frauen

Dolinar, die das Meeting nach Ös­terreich gebracht hatte, betonte die Einzigartigkeit dieser Veranstaltung, denn diese sei nicht nur ein Meeting von Frauen für Frauen auf europäischem Level, sondern biete auch die Mög­lichkeit, dass sich europäische Apothe­kerinnen, die in unterschiedlichsten Bereichen tätig sind, austauschten und vernetzten. Das erste derartige Treffen erfolgte 2004 in Frankfurt und hatte den Aufbau eines europäischen Netz­werkes für Pharmazeutinnen zum Ziel. Dolinar vertrat damals die österreichi­schen Apothekerinnen. Wie damals, so Dolinar, so stehe auch heute eine durchdachte, professionell strukturierte Fort- und Weiterbildung am Beginn jeder Entwicklung, die die Apotheker fit für die Zukunft mache. Dolinar ging zudem auf die Notwendigkeit der Erschließung neuer Tätigkeitsbereiche ein. Denn immerhin kamen 2016 181 Apotheker auf 47 freie Stellen, während 2013 noch 73 Stellenangebote für 82 Apotheker verfügbar waren. In den UK ist man diesbezüglich bereits ein gutes Stück weiter, wie Helen Killminster, klinische Pharmazeutin in England, darlegte, die über ihre durchwegs posi­tiven Erfahrungen als Pharmazeutin in einer Arztpraxis berichtete.
Nach einer Grußadresse von Kammer­präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr erläuterte Dolinar die Institutionen des Apothekerhauses, wobei die Pharmazeutische Gehaltskasse von Ulrike Mayer, Past-Präsidentin des VAAÖ, in einem eigenen Vortrag vorgestellt wur­de und breites Interesse und Bewunde­rung auslöste.
Gesponsert wurde die Tagung von Janssen, IMS, Kwizda und dem Apotheker-Verlag, letztere waren auch jeweils mit einem Stand vertreten.

Starke Angestellte

VAAÖ-Direktor Valecka stellte in seinem Referat die Situation der angestellten Apotheker in Österreich näher vor und erläuterte die Bedeutung des VAAÖ, des Verbandes Angestellter Apotheker Österreichs, der immerhin seit 1891 die Anliegen der Angestellten vertritt. Nahezu zwei Drittel der derzeit angestellten Apotheker sowie 889 pensionierte und 110 Studierende sind VAAÖ-Mitglieder, insgesamt 3.487. Davon sind über 80 Prozent Frauen. Als eine der vielen Errungenschaften für die Angestellten hob Valecka die Möglichkeit der flexiblen Teilzeittä­tigkeit hervor, die den Apothekern wie kein anderer akademischer Beruf eine Work-Life-Balance ermögliche, ohne negative Auswirkungen befürchten zu müssen. Weitere Aufgaben des VAAÖ seien die Vertretung der Interessen der angestellten Apotheker bei den Kol­lektivvertragsverhandlungen, in den Institutionen Kammer und Gehaltskas­se, bei der Gesetzgebung sowie für jeden Einzelnen Beratung in Rechtsfragen bis hin zur Vertretung in arbeitsrecht­lichen Belangen, auch vor Gericht. Um eine fundierte, strukturierte Fort- und Weiterbildung anbieten zu können, wurde gemeinsam mit der ARGE Krankenhausapotheker, einem Zweig des VAAÖ, die AFA, die Apotheker- Fortbildungsakademie, gegründet.
Valecka freute sich zudem über das breite Interesse vor allem der Jungen – Studierenden wie Pharmazeuten – für das Postgraduate-Studium, das im Jänner 2018 startet.

Internationale Highlights

Wie Fort- und Weiterbildung in Hol­land aufgebaut sind und wie dort ein – auch postgraduales – beeindruckendes Curriculum entwickelt werden konnte, schilderte Martina Teichert von der Uni Leiden in ihrem Vortrag. Interes­sant war übrigens die von ihr eingangs durchgeführte Umfrage unter den inter­nationalen Teilnehmerinnen, die ergab, dass für zwei Stunden Review je nach Land zwischen 35 und 70 Euro von den Kostenträgern erstattet werden.
Jedenfalls ist Teichert der Überzeugung, dass Apotheker, um in der Apotheke einen „guten Job“ machen zu können, in allen Aspekten der Gesundheit am Laufenden sein müssten, z. B. auch auf dem Gebiet der Nanotechnologie. Denn sie hätten die Verantwortung die Patienten soweit zu informieren, damit diese entsprechende Entscheidungen treffen könnten. Diesbezüglich brach Teichert eine Lanze für den Commu­nity Pharmacy Specialist, also für eine Spezialisierung nicht nur im Kranken­haus, sondern eben auch in der öffent­lichen Apotheke. Die Pharmazie ist in Leiden zudem an der medizinischen Fakultät und nicht an der naturwis­senschaftlichen angesiedelt, was die Interdisziplinarität auf Augenhöhe wesentlich erleichtere. Die meisten Bachelors bilden sich dort laut Teichert zum Master weiter.
Verena Plattner, AGES MEA, brachte den Zuhörerinnen Aufbau und Funkti­onen der österreichischen AGES näher und erläuterte anhand dieser Institution die potenziellen vielfältigen Aufgaben­bereiche, in denen ein Apotheker tätig sein kann, – auch abseits von Tara und Krankenhaus. So sind z. B. die Tätigkei­ten eines Inspektors für Pharmakovigi­lanz sehr breit gefächert, wobei ein ent­sprechendes postgraduales Training ihn optimal für diese Aufgabe vorbereitet. Aber selbstverständlich ist auch hier Li­felong Learning unabdingbar, wie auch in Bezug auf den Klinischen Apotheker im Krankenhaus, über dessen Aus- und Weiterbildung durch das in Entstehung befindliche CTF, das Common Training Framework, EAHP-Präsidentin Joan Peppard referierte.
In den Workshops wurden die Tätig­keiten eines Apothekers in der Praxis eines Allgemeinmediziners, das neue Rollenbild der Krankenhauspharmazie, die Möglichkeit einer Spezialisierung auf den Industriepharmazeuten sowie Public Administration im Gesundheits­wesen näher beleuchtet.

Zukunft Klinische Pharmazie

Bemerkenswert war jedenfalls auch bei dieser Tagung wieder festzustellen, dass die Krankenhausapothekerinnen (neben den beiden Gastgebern waren aus­schließlich Damen anwesend) sowohl, was die Fort- und Weiterbildung, als auch, was die Weiterentwicklung des Berufsbildes angeht, immer vorne mit dabei sind. So zog sich die Klinische Pharmazie als Zukunftsthema wie ein roter Faden durch die Vorträge und Diskussionsbeiträge, wobei es hier je nach Land unterschiedliche Entwick­lungs- und „Anerkennungs“-stufen durch die öffentliche Hand gibt, was sich natürlich auch in einer entspre­chenden Honorierung – oder eben nicht – niederschlägt. Jedenfalls zeigte sich anhand der Berichte durchgehend, dass es diesbezüglich stark auf die Eigeni­nitiative und die Hartnäckigkeit des Apothekerstandes ankommt.
Es gehe darum, so Podroschko in seinen Ausführungen, den Apotheker als anerkannten Gesundheitsdienstleister näher an den Patienten zu bringen und ihn und seine Expertise stärker in den Therapieprozess miteinzubeziehen, und zwar immer dann, wenn diese gefragt ist, – sei es in der Apotheke oder im Krankenhaus, sei es im Pflegeheim, in PVEs oder zu Hause. Mit diesem Klini­schen Apotheker, der zu den Patienten geht, könnten nicht nur hochqualifi­zierte Arbeitsplätze geschaffen werden, sondern es erfolge eine Optimierung der Therapie bei einem ökonomischeren Einsatz von Arzneimitteln. Vorausset­zung dafür sei, dass auch in Österreich – analog zu etlichen Ländern Europas – die vielfältigen Dienstleistungen ent­sprechend ihrem Wert für das Gesund­heitssystem abgegolten werden. Damit könnten dann auch Arbeitsplätze der angestellten Apotheker für die Zukunft erhalten und ausgebaut werden, auch durch neue Betätigungsfelder, z. B. „als Außendienst“ einer Apotheke.
Ein großer Schritt in diese Richtung stelle für die österreichische Pharmazie das neue postgraduale Master-Studium dar, das der VAAÖ gemeinsam mit der Robert Gordon-University anbietet. Podroschko: „Denn der Apotheker weiß so viel mehr, aber er darf es zumindest derzeit nicht anwenden. Das wollen wir ändern!“ Das Curriculum ist als berufsbegleitendes Studium besonders flexibel gestaltet, sowohl was den Zeitaufwand als auch die Orts(un)gebundenheit betrifft. Besondere Schwerpunkte seien v.a. Schnittstellen­management, Teamwork & Leadership, Gesundheitsökonomie, Umsetzung von Therapieleitlinien insbesondere bei Polypharmazie, Gesundheitskommu­nikation und v. a. Fallstudien aus der Praxis. Dass ein solches Angebot den Anforderungen in einem sich wan­delnden Gesundheitssystem entspricht, zeigte sich auch in den Referaten der Vortragenden.

Ohne Kommunikation geht’s nicht

Abschließend betonte Podroschko, dass es also nicht nur notwendig sei, die Ver­sorgung der Bevölkerung sicherzustellen und den Apotheker-Beruf zukunftsfit zu gestalten, sondern „wir müssen diese unsere Angebote an die Menschen auch kommunizieren, – und zwar jeder von uns, Tag für Tag! (…) Und hier schließt sich der Kreis: Denn die Pharmazie ist nicht nur hinter der Tara weiblich, sondern auch davor. Es sind vor allem die Frauen, die als Gesundheitsmanager ihrer Familie in die Apotheke kommen und kompetente Beratung und eine per­sönliche Ansprache möchten, brauchen und diese auch zu schätzen wissen.
Hier im Gespräch mit unseren KundIn­nen und PatientInnen ist der Kristallisationspunkt unseres Berufes, im Miteinander, in der Interaktion, in einer vertrauensvollen Kommunikation – und das sehr oft von Frau zu Frau.“

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