STARK AUF IHRER SEITE.

Weinverkostung Villa Blanka

Datum Uhrzeit Art Ort
09.03.2017 19:00 Innsbruck

Ein Bericht von Mag. Drach

Unter dem Motto „Nahrungsergänzungsmittel einmal anders“ fand am 09.03.2017 in Innsbruck bereits zum zweiten Male eine Verkostung österreichischer Weine auf der Villa Blanka statt. Die von Kollegin Silvia MAYR bestens organisierte gesellige Veranstaltung erfreute sich reger Teilnahme. So hatte auch heuer wieder unser Sommelier Herr MODL mit viel Feingefühl jeweils drei hervorragende österreichische Weiss- und Rotweine zur Verkostung auswählt, die von seinen Schülerinnen JENNIFER und ANNA-MARIA zusammen mit dem passenden Essen serviert wurden.

Die herkunftstypischen österreichischen Qualitätsweine

Unter der Bezeichnung „Districtus Austriae Controllatus“ (DAC) werden von einem Regionalen Wein-Komitee die Rebsorten einer bestimmten Weinregion definiert. Es handelt sich um eine geschützte Herkunftsbezeichnung lokaler österreichischer Weine, die in Anlehnung an das französische bzw. italienische Weingesetz geschaffen wurde (vgl. DOC bzw. AOC; Anm. d. Verf.). Im österreichischen Weingesetz von 2009 sind somit diejenigen Rebsorten aufgelistet, die für eine bestimmte Region ortstypisch sind und welche daraus gekelterten Weine dieser Qualitätsbezeichnung entsprechen. Das österreichische Weingesetz kennt neun spezifische DAC-Weinbaugebiete:

  • Weinviertel DAC
  • Mittelburgenland DAC
  • Traisental DAC
  • Kremstal DAC
  • Kamptal DAC
  • Leithaberg DAC
  • Eisenberg DAC
  • Neusiedlersee DAC
  • Wiener gemischter Satz DAC

Alle anderen österreichischen Weinbaugebiete (Wachau, Wagram, Carnuntum, Thermenregion, Vulkanland Steiermark, Südsteiermark, Weststeiermark) besitzen noch keinen DAC-Status.

Die Klosterneuburger Mostware (KMW)

Der Zuckergehalt des Mostes wird mit Hilfe eines Refraktometers gemessen und in Grad ausgedrückt. Daraus resultiert nach der Vergärung der Alkoholgehalt. Aus dem Zucker- bzw. Alkoholgehalt resultiert die Qualitätsstufe, wie sie zum Beispiel in der Wachau zu beobachten ist:

  Bezeichnung       Zuckergehalt (°KMW)       Alkoholgehalt (% Vol.)       Qualitätsstufe   
  Steinfeder 15 – 17 Qualitätswein
  Federspiel 17 – 18,2 11,5 – 12,5 Kabinettswein
  Smaragd > 18,2 > 12,5 Spätlese

 
Smaragd-Weine sind trocken, hochreif und kraftvoll. Daher passen sie auch gut zu Steak. Es muss nämlich nicht immer nur Rotwein sein. Damit kann durchaus eine Alternative angeboten werden.

Die österreichischen Qualitätsstufen

Weine ohne geografische Angabe müssen nicht zwingend aus Österreich stammen. Das Mostgewicht ist niedrig (mind. 10,7° KMW oder 8,5% Vol.). Sie sind häufig im Tetrapak oder in Plastikflaschen abgefüllt und werden als „Bergwein“, „Heuriger“ bzw. „Glühwein“ bezeichnet.

Weine mit geografischer Angabe müssen aus Österreich stammen. Aus dem Mostgewicht resultiert die Hierarchie der Qualitätsstufen: 

  Qualitätsstufe Wein aus Österreich       Zuckergehalt des Mostes   
  Landwein Mind. 14° KMW
  Qualitätswein Mind. 15° KMW
  Kabinettswein Mind. 17° KMW
  Prädikatswein 19° KMW – 30° KMW

 
Die Prädikatsweine selbst werden wiederum streng hierarchisch nach ihrem Zuckergehalt unterteilt:

  Qualitätsstufe
  Prädikatswein
   
   Zuckergehalt   
des Mostes
   Anmerkung   
  Spätlese Mind. 19° KMW Edelschimmel, der den Früchten Wasser entzieht.
  Auslese Mind. 21° KMW  
  Beerenauslese Mind. 25° KMW  
  Eiswein Mind. 25° KMW Trauben müssen bei der Lese und beim Pressen bei mindestens -7°C gefroren sein.
  Strohwein / Schilfwein Mind. 25° KMW Trauben müssen vor dem Keltern mind. drei Monate auf Stroh oder Schilf  gelagert werden bzw. auf Schnüren aufgehängt werden.
  Ausbruch Mind. 27° KMW  
  Trockenbeerenauslese    Mind. 30° KMW  

 
Prädikatsweine sind umso länger haltbar, je mehr Alkohol und Zucker sie enthalten. Beliebte Sorten für Süssweine sind Welschriesling, Muskateller, Sämling 88 und Grüner Veltliner. Daneben gibt es auch vereinzelt rote Beerenauslesen.

Die Angabe des Restzuckergehaltes erfolgt in Gramm pro Liter (g/l):

  Trocken <4 g/l
  Halbtrocken    4 – 12 g/l
  Lieblich    12 – 45 g/l
  Süss >45 g/l

Das Etikett

Banderole:

  • Rot-weiss-rot; muss ab der Stufe Qualitätswein über der Flaschenöffnung angebracht werden und trägt die Betriebsnummer des Produzenten.

Vorderseite:

  • Weinbaugebiet: Ort bzw. Lagenbezeichnung (in Anlehnung an französische Klassifizierungen; Anm. d. Verf.)
  • Sorten- und Jahrgangsbezeichnung (um einer bestimmten Sorte zu entsprechen, müssen mindestens 85% des Weines aus der angegebenen Sorte stammen. Der Rest wird nicht definiert. Das österreichische Weingesetz kennt 35 Rebsorten; davon sind 13 rot und 22 weiss).
  • Qualitätsstufe
  • Produzent

Rückseite:

  • Staatliche Prüfnummer bzw. Strich-Code zur Schnellablese der Qualitätswein-Klassifizierung
  • Alkoholgehalt (% Vol.) - Genauigkeit ± 0,5%
  • Restzuckergehalt (g/l)
  • Füllvolumen: Zwingend vorgeschrieben!
  • Enthält Sulfite: Sulfite sind Allergene, die aber dem Wein Haltbarkeit verleihen.

Die Veredelung

Die Veredelung von Rebstöcken war eine Antwort auf die Reblaus-Katastrophe Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts. Die im Jahr 1872 aus Amerika eingeschleppte Reblaus (Phylloxera) vernichtete praktisch den gesamten europäischen Reben-Bestand. Dramatische Szenen spielten sich ab; die Weinbauern wurden regelrecht in den Ruin getrieben. Die einzige Lösung bestand in der Verwendung von amerikanischen Rebstöcken als Wurzelbasis. Sie sind gegen die Reblaus resistent. Darauf wurden die einheimischen Sorten aufgepfropft. Heutzutage werden überall nur amerikanische Veredelungsträger verwendet. Sie sind sehr anpassungsfähig.

Daneben eignet sich die Veredelung auch zur Adaption der Weinstöcke an verschiedene Bodenverhältnisse (Urgestein, Löss) sowie zur Beeinflussung des Wuchses und der Reife.

Dekantieren oder belüften?

Das Belüften eignet sich für junge, tanninreiche Weine, um dem Geschmack durch Oxidation etwas nachzuhelfen. So ist ein 2016 Barrique noch nicht reif und kann dadurch verbessert werden.
Das Dekantieren eignet sich für ältere, gereifte Weine. Es kann sich nämlich ein „Depot“ gebildet haben, das aus kristalliner Weinsäure und Farbstoffen besteht. Dadurch wird vermieden, dass Reste dieses Bodensatzes in das Glas gelangen.

Rotweine werden im Alter heller, während Weissweine im Alter dunkler werden.

GEMISCHTER SATZ  DAC 2016

  • Weingut: CHRIST, Wien, 12,5 % Vol.
  • Geschmack: Fruchtig-frisch, angenehme Säure. Aromen von Apfel, Citrusfrüchten, Papaya sowie Maracuja sind deutlich wahrnehmbar.
  • Servierempfehlung: Austern mit Zitrone

Der Wiener Gemischte Satz ist grundsätzlich ein Klassiker des Wiener Weinbaues. Es ist hervorzuheben, dass Wien neben Bordeaux die einzige Weltstadt ist, auf deren Stadtgebiet nennenswerter Weinbau erfolgt (Anm. d. Verf.).
Der Wiener Gemischte Satz muss immer aus einer Kombination von mindestens vier Rebsorten bestehen, die gleichzeitig und gemeinsam geerntet und vinifiziert werden. CHRIST verwendet für seinen Gemischten Satz sieben Rebsorten: Grüner Veltliner, Sauvignon Blanc, Welschriesling, Muskateller, Weissburgunder, Chardonnay, Müller Thurgau.
Der Gemischte Satz ist keine Cuvée! Bei Cuvée-Weinen werden die einzelnen Sorten getrennt geerntet und vinifiziert. Sie werden erst nach ihrem jeweiligen Ausbau miteinander kombiniert.

GRÜNER VELTLINER FEDERSPIEL ALTE REBEN 2015

  • Weingut: Domäne WACHAU, Niederösterreich, 12,5 % Vol.
  • Geschmack: Trocken, angenehme Säure, Stachelbeere.
  • Servierempfehlung: Chicken Wings süß-sauer. Die Geschmacksnoten werden durch den Wein sehr gut betont.

Die Domäne Wachau ist eine Winzergenossenschaft, in der sich viele kleine Nebenerwerbs-Produzenten zusammengeschlossen haben. Genossenschaften sind sehr häufig in Südtirol anzutreffen.
Je älter der Rebstock, desto niedriger die Erträge und desto konzentrierter die Weine. Es gibt kein Gesetz, das festlegt, ab welchem Alter die Bezeichnung „Alte Reben“ verwendet werden darf. In der Praxis hat sich dazu ein Alter von 20 Jahren eingebürgert. Ein Rebstock kann grundsätzlich ein Alter von 120 Jahren erreichen.

RIESLING 2016

  • Weingut: MARKUS HUBER, Traisental, Niederösterreich, 12,5 % Vol.
  • Lage: Nussdorfer
  • Geschmack: Trocken, Pfirsich, Marille. Er hat geringfügig weniger Körper und weniger Säure als der Grüne Veltliner. Riesling ist grundsätzlich eine der edelsten Weissweinsorten; sozusagen eine kleine Prinzessin, die sehr sensibel zu vinifizieren ist.
  • Servierempfehlung: Shrimps auf Risotto mit Cocktailtomaten.

BLAUER ZWEIGELT CLASSIC 2015

  • Weingut: TESCH, Neckenmarkt, Burgenland, 13,5 % Vol.
  • Ausbau: Stahltank. Die für die Rebsorte Zweigelt so typische violette Farbe kommt hier sehr gut zur Geltung.
  • Geschmack: Trocken, dunkle Beerenfrüchte, schwarze Johannisbeeren.
  • Servierempfehlung: Dunkles Fleisch, insbesondere Tartar. Der aus dem Stahltank resultierende unverfälschte Charakter unterstreicht leichtere Fleischgerichte.

ST LAURENT 2013

  • Weingut: HEINRICH, Gols, Burgenland. 12,5 % Vol.
  • Ausbau: Holzfass. Der Wein erhält dadurch eine leicht bräunliche Note, die in der Fachsprache als „Reserve“ bezeichnet wird.
  • Geschmack: Trocken, feine Tannine. Durch Ausbau im Holzfass wird der Wein strukturiert. Die Polyphenole bewirken geschmackliche Tiefe.
  • Servierempfehlung: Lamm. Im Vergleich zum Zweigelt werden die Röst-Aromen vom St Laurent besser unterstrichen. Der aus dem Holzfass resultierende strukturierte Charakter unterstreicht schwere Fleischgerichte.

BIG JOHN CUVEE RESERVE 2014

  • Weingut: SCHEIBLHOFER, Andau, Burgenland. 14 % Vol.
  • Geschmack: Trocken und fruchtig. In dieser Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Pinot Noir und Blauem Zweigelt dominiert eindeutig der Cabernet. Er überdeckt die beiden anderen Sorten. Durch den hohen Alkoholgehalt passt dieser schwere Wein grundsätzlich zu kräftigem, schwerem Essen.

Es ist anzumerken, dass Cabernet Sauvignon grundsätzlich sehr dominant ist. Die Sorte stammt aus Bordeaux und wird nach Ansicht von Fachleuten in Österreich nie vollständig zur Reife gelangen. Sie ist daher sehr zurückhaltend einzusetzen, wenn sie mit Rebsorten aus Österreich kombiniert wird.

Österreich ist traditionell kein Rotwein-Land. Nach Ansicht des Verfassers sollten grundsätzlich keine Cuvée-Weine produziert werden. Eine österreichisch Cuvée weist immer geschmackliche Ecken und Kanten auf. Diese sind umso deutlicher wahrnehmbar, wenn einheimische Rotwein-Sorten mit importierten kombiniert werden. Darüber kann auch eine noch so sorgfältige Vinifizierung nicht hinwegtäuschen. Österreich eignet sich nur zur sortenreinen Produktion. Diese Praxis sollte auch in Zukunft weiterhin verfolgt werden.

Verwendete Literatur: ÖSTERREICH WEIN INTENSIV (2015) Wien: ÖSTERREICH WEIN MARKETING GMBH [MS]. http://www.österreichwein.at [Stand: Mai 2015]

Anmelden im
Mitgliederbereich
Login
Suche