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Kongress "Rheuma"

Datum Uhrzeit Art Ort
06.04.2019 13:00 Graz


Das Risiko, an Rheuma zu erkranken, liegt in Österreich bei 70 bis 80%.

„Diese Apothekengesetzesnovelle ist Teil eines ganzen Maßnahmenpakets, dessen einzelne Tools die Stärkung des Apothekers als Gesundheitsdienstleister und Arzneimittelexperte zum Ziel haben.“ VAAÖ-Präsident Raimund Podroschko


Die Organisatorinnen, Mag. pharm Petra Griesser und Mag. pharm. Catherine Bader, freuen sich mit Präs. Raimund Podroschko über die erfolgreiche Tagung.

VAAÖ-Rheumakongress in Graz, Teil I

„ApothekerInnen können mehr!“

Das vielschichtige Thema der rheumatischen Erkrankungen stand im Mittelpunkt des VAAÖ-Rheumakongresses, der am 6. April in Graz über die Bühne ging. Vor vollbesetztem Auditorium wurden aber auch standespolitische Themen erörtert.

„Veranstaltungen wie diese sowie unsere neuen Fortbildungsangebote z.B. zur Medikationsanalyse sind praxisorientierte Tools, mit denen die Apotheker für die zukünftigen Herausforderungen gut gerüstet sind.“ betonte Mag. pharm. Raimund Podroschko, Präsident des VAAÖ, in seinem Eröffnungsstatement am Kongress zum Thema „Rheuma“, der am 6. April in Graz stattfand, bestens organisiert von der steirischen VAAÖ-Landesgruppenobfrau Mag. pharm. Petra Griesser und deren Stellvertreterin, Mag. pharm. Catherine Bader. Mag. Podroschko sprach zunächst die aktuelle Situation der angestellten ApothekerInnen Österreichs an:

Ein Service- und Powerpaket

„Apothekengesetzesnovelle, optionale Liberalisierung der Öffnungszeiten, Zustellservices, praktikable Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die Filialapothekenregelung u.v.m., - wir haben vieles auf den Weg gebracht und im Sinne der angestellten Apotheker mitgestaltet,“ so Podroschko, und weiter: „Wir haben ein Servicepaket für die Bevölkerung und gleichzeitig ein „Powerpaket“ für die Apotheker geschnürt, um die Funktion des angestellten Apothekers zu stärken und auszuweiten sowie optimale Rahmenbedingungen für dessen Tätigkeit zu schaffen; das hat für uns oberste Priorität und ist gerade in diesen nicht einfachen Zeiten besonders wichtig. Denn nur, wenn es den angestellten Apothekern gut geht, kann es auch den Betrieben gut gehen.“

Die Apothekengesetzesnovelle

Zur anstehenden Novelle, die derzeit im Ministerium zur Begutachtung liegt, meinte der Vizepräsident der Apothekerkammer: „Es war dringend notwendig, das Apothekengesetz aus dem Jahr 1906 zu modernisieren und an die Bedürfnisse und Erwartungen heutiger Konsumenten anzupassen. Zudem musste auch die höchstgerichtliche Judikatur berücksichtigt werden, damit unser Apothekengesetz auch weiterhin „hält“ und wir gegen Angriffe von außen gewappnet sind; man denke nur an die andauernden Versuche, die bewährte flächendeckende Versorgung der Bevölkerung durch Apotheken „aushebeln“ zu wollen, oder die Begehrlichkeiten von Drogeriemärkten, ausländischen Versandapotheken und Co.“

Liberalere Öffnungszeiten

„Unsere Leistungen für die ÖsterreicherInnen müssen wir aber auch sichtbar machen, indem wir unsere Serviceorientiertheit steigern,“ erläuterte Podroschko. „Unsere KundInnen und PatientInnen wollen nun einmal längere Öffnungszeiten und sind mittlerweile auch daran gewöhnt. Hier ziehen wir mit der Ausweitung und Liberalisierung der potenziellen Öffnungszeiten mit, indem den Apotheken ermöglicht wird, je nach Standort bedarfsgerecht offen zu halten. So können sich die Betriebe an den Ordinationszeiten der örtlichen Ärzte, umliegenden Geschäften etc. orientieren und auf diese Weise ihr Serviceangebot optimieren. Verpflichtende Kernöffnungszeiten können durch individuelle Öffnungszeiten der einzelnen Apotheke auf bis zu 72 Stunden ausgedehnt werden. Dafür gilt derselbe Zeitrahmen wie für Handelsbetriebe, nämlich Montag bis Freitag von 6.00 bis 21.00 Uhr und Samstag von 6.00 bis 18.00 Uhr. Damit sollten enttäuschte KundInnen vor geschlossenen Türen und diesbezügliche Reklamationen der Vergangenheit angehören.“

Der VAAÖ hatte Entwicklungen wie diese bereits vor Jahren vorausgesehen und entsprechende Verhandlungsziele definiert. Denn es war für die Interessenvertretung klar ersichtlich, so Präs. Podroschko, dass das klassische Arbeitszeitmodell mit 8.00 bis 18.00 Uhr nicht halten werde. Deshalb war es Ziel der Gespräche und Diskussionen über die Lockerung der Öffnungszeiten, so der VAAÖ-Präsident, dass „das keinesfalls auf dem Rücken der angestellten ApothekerInnen ausgetragen wird“. Podroschko weiter: „Wir haben erreicht, dass sich nun die Normalarbeitszeit zwischen 7.30 und 19.00 Uhr bewegt; alles außerhalb dieses Zeitraumes muss als Überstunden angerechnet werden. Wir werden besonderes Augenmerk darauflegen, dass das in der Praxis auch so exekutiert wird!“

Die „mobile Apotheke“

Ein weiterer Ausbau des Serviceangebotes betrifft die stark erweiterte Möglichkeit der Zustellung von Arzneimitteln im Einzugsgebiet des Betriebes. Podroschko dazu: „Mit dieser „mobilen Apotheke“ kommt der Nahversorgungsfunktion der Apotheken noch mehr Bedeutung zu. Diese Verpflichtung zur raschen und bedarfsgerechten Lieferung – vor allem an Pflege- und Altersheime – inkludiert zudem eine ebenfalls verpflichtende Beratung durch einen Apotheker, womit dessen Funktion als Arzneimittelexperte hervorgehoben und gestärkt wird.“ 

Mehr Filialapotheken

Das Standing der angestellten ApothekerInnen zu verbessern und dies in der Apothekengesetzesnovelle auch zu verankern, hat für den VAAÖ auch bei der Regelung in Bezug auf Filialapotheken oberste Priorität. Mit der Novelle soll die Errichtung von Filialapotheken wesentlich erleichtert werden, um eine weitere Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung zu erreichen, wobei ihre Anzahl auf drei beschränkt ist. Damit können Regionen versorgt werden, wo der Betrieb einer öffentlichen Apotheke nicht möglich ist und auch keine hausapothekenführende Arztpraxis besteht. Besonders PatientInnen von Fach- bzw. Wahlärzten in ländlichen Regionen oder Fremdenverkehrsgebieten profitieren davon. Wesentlich dabei ist, erläuterte Mag. Podroschko, dass „es in jeder einzelnen Filialapotheke einen verantwortlichen Apotheker geben muss. Diese Regelung wurde auch für den Kollektivvertrag ausverhandelt und festgelegt“.

Nur „apothekergeführt“

In dieselbe Richtung zielt ein weiterer Aspekt der Gesetzesnovelle; Präs. Podroschko dazu: „Wichtig ist uns die Stärkung der inhabergeführten Apotheke, weil damit auch der Bedeutung weisungsfrei und unabhängig agierender ApothekerInnen mehr Gewicht eingeräumt wird. Denn nur Betriebe, die von ApothekerInnen geführt werden, können die hohe Qualität der Arzneimittelversorgung - und damit auch die Arzneimittelsicherheit - durch unabhängige ApothekerInnen sicherstellen. So muss u.a. der Konzessionär in Zukunft von Anfang an Mehrheitseigentümer sein, also über mindestens 51 Prozent Anteile an einer Apotheke verfügen. Mit dieser Regelung soll eine Reduzierung der Einflussnahme einzelner Player erreicht und sichergestellt werden, dass unsere KundInnen und PatientInnen auch weiterhin im Mittelpunkt unserer Tätigkeit stehen.“

Der VAAÖ-Präsident subsummierte: „Diese Apothekengesetzesnovelle ist, wie gesagt, Teil eines ganzen Maßnahmenpakets, dessen einzelne Tools – bestmöglich aufeinander abgestimmt – die Stärkung des Apothekers als Gesundheitsdienstleister und Arzneimittelexperte zum Ziel haben. Dass damit unsere hochqualifizierten Arbeitsplätze gesichert und weitere geschaffen werden können, liegt mir dabei besonders am Herzen. Beratungsqualität, Sicherheit sowie belegbare Leistungen über die „Medikamentenabgabe“ hinaus sind bestimmende Faktoren dieses Pakets, die in unseren neuen Serviceangeboten „Sicherheits-Check“ und „Medikationsanalyse“ für PatientInnen wie Kostenträger greifbar werden.“

Der Entwurf zur Apothekengesetzesnovelle ist mit den Experten erstellt, gut durchdacht und mit dem gesamten Apothekerhaus abgestimmt worden; nun liegt es an der Politik …

Lesen Sie dazu mehr im zweiten Teil unseres Berichts.

Der Rheumapatient an der Tara

Als fachliches Update wurden dem vollbesetzten Auditorium unter der Moderation von Mag. pharm. Petra Griesser und Mag. pharm. Catherine Bader, stv. Obfrau der Pharmazeutischen Gehaltskasse, vier spannende, breit gefächerte Vorträge geboten. 

„Nur 17 von 255 Rheuma-Patienten (6,7%) lagern ihren TNF-alfa- Blocker wie vorgeschrieben im Kühlschrank bei 2-8°C. 
Bei 25% der Patienten lagerte die Verpackung >2 Stunden bei < 0°C.“ 
 Apothekerin Laura Koniarski

Indikationsapothekerin für Rheuma

Apothekerin Laura Koniarski von der antares-apotheke Hamburg erläuterte, wie entscheidend die Adhärenz des Patienten für den Erfolg der Arzneimitteltherapie bei rheumatischen Erkrankungen ist. Koniarski ist in einer Apotheke angestellt, die sich auf Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie Rheuma spezialisiert hat. Dort übernimmt sie die Betreuung, Beratung und Versorgung. „Ein Mitgrund, warum ich mich in einer internen Qualifikation über drei Jahre zur Indikationsapothekerin für Rheuma spezialisiert habe“, erklärt Koniarski. Gerade bei chronischen Therapien und komplexen Einnahmeschemata, wie sie in der Rheumatologie oft eingesetzt werden, sind Non-Adhärenz und andere arzneimittelbezogene Probleme häufig an der Tagesordnung, wobei sich dies auch massiv auf die Kosten niederschlägt.  Denn immerhin zählt die Rheumatoide Arthritis zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Erkrankungen, die mit innovativen, teuren und beratungsintensiven Arzneimitteln mit z.T. toxischen Nebenwirkungen behandelt wird. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich häufig um ältere, oft multimorbide Patienten mit Polymedikation und damit einem erhöhten Risiko für arzneimittelbezogene Probleme, wie Interaktionen und Handhabungsfehler, handelt.

Eine Frage der Adhärenz

50% der Patienten mit chronischen Erkrankungen nehmen ihre Medikamente NICHT wie verordnet ein.

Die häufigsten Gründe für Non-Adhärenz bei Rheuma:

  • Bewusstes Weglassen, z.B. aus Angst vor Abhängigkeit 

  • Auftreten von Nebenwirkungen 

  • Besserung der Symptome
  • Keine Besserung trotz Therapie, in Folge fehlende Motivation zur AM-Einnahme
  • Vergessen der Einnahme, z.B. wegen komplexer Therapieregimes
  • Rationierung v.a. gegen Packungsende 

  • Überdosierung „viel hilft viel“ 

  • Fehlendes Vertrauen zu Arzt, Apotheker, Arzneimittel etc. 


Steigerung der Adhärenz durch:

  • Vertrauen zwischen Patient und Arzt bzw. Apotheker 

  • Ausreichende Kommunikation: Aufklärung über Ablauf, Nutzen und mögliche Probleme der Therapie 

  • Notwendige Zeit für die Beratung 

  • Anpassung des Therapieregimes an individuelle Vorlieben, z.B. Tabletten mit Retardformulierung 

  • Schriftliche Dosierungs- und Einnahmehinweise 


In ihrem Vortrag wies Koniarski darauf hin, dass die Einstellung des Patienten gegenüber seiner Medikation durch die ApothekerInnen entscheidend beeinflusst und verändert werden kann. „Denn rund 23 Prozent der unerwünschten Arzneimittelwirkungen lassen sich auf Handhabungs- oder Anwendungsfehler des Patienten zurückführen, die durch eine sachgemäße Beratung verhindert werden könnten“, so Koniarski. Deshalb muss es das Ziel sein, den Rheumapatienten in seiner Medikation im Alltag zu unterstützen und die Arzneimitteltherapiesicherheit zu erhöhen - etwa durch ausreichende Aufklärung über den Nutzen der Therapie.


Auf einen Blick:
  • Apotheker leisten einen großen Beitrag, um die Arzneimitteltherapiesicherheit rheumatischer Patienten zu erhöhen.
  • Interaktionen sind umso wahrscheinlicher, je mehr Arzneimittel man einnimmt. Die Zahl der eingenommenen Arzneimittel wiederum steigt mit der Zahl der Erkrankungen, die durchschnittlich im Alter zunimmt.
  • Während einer immunsuppressiven Therapie sollten keine Probiotika oder Immunstimulantien eingenommen werden. 

  • Bei jeder Methotrexat-Abgabe im rheumatologischen Bereich auf die 1x wöchentliche Anwendung hinweisen. 

  • Biologika müssen ordnungsgemäß gekühlt werden. 


Mehr zu den weiteren Fachvorträgen lesen Sie im zweiten Teil unseres Berichts.

Fotos von der Veranstaltung:

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